Wahrheit und Wahrheiten

Augsburg, 4. Oktober 2017

Am Bekenntnis festhalten

In Siebenbürgen stand die theologische Richtung, in welche sich die Reformation entwickeln sollte, lange Zeit nicht fest. Die Wittenberger gemäßigte Variante, aber auch die liberalere Schweizer Variante und gar die radikale antitrinitarische Variante hatten ihre Anhänger, und mancheiner wechselte von einer zur anderen. Die Trennung ging nicht nur an der Grenze der Nationen entlang, sondern auch quer durch die Nationen.

Bei den Siebenbürger Sachsen konkurrierte anfangs eine stärker von den Schweizern inspirierte Fraktion um Johannes Honterus (Kronstadt) und eine eher von Wittenberg inspirierte Fraktion um Stadtpfarrer Mathias Ramser (Hermannstadt). Das Augsburger Bekenntnis wurde in diesem Ringen eine gute Richtschnur, um die herum Einigkeit geschaffen werden konnte. Schon zum Augsburger Reichstag 1530 wurde der Kronstäder Stadtrichter Johannes Fuchs entsandt, so dass die Siebenbürger Sachsen "an der Quelle" waren. 1545 wurde dann, in einer ersten Mediascher Synode die Confessio Augustana als richtiger Weg angenommen. Daraufhin, aber nur nach dem Tod des Mathias Ramser, konnte 1547 mit der Schrift "Reformatio Ecclesiarum Saxonicarum in Transylvania" ein Kompromiss gefunden werden. Einige Jahre später, 1552, anerkannte der Siebenbürgische Landtag das Augsburger Bekenntnis als legitime Form der Kirchlicheit. Den Abschluß der Entwicklung brachte das Wirken des bekenntnistreuen Superintendenten Mathias Hebler. 1572 kam eine weitere Synode zu Stande, die Ruhe in die Angelegenheit bringen sollte. Auf dieser Synode wurden die sächsischen Geistlichen formal auf das Augsburger Bekenntnis verpflichtet. 

 

Die Einmütigkeit war für Siebenbürgen als Ganzes jedoch auf Dauer  auseinandergebrochen. Es standen nun parallel mehrere "Wahrheiten" - von Bekenntnissen untermauert - im Raum: neben der lutherischen die calvinische und die antitrinitarische, die vor allem der Sakramentslehre wegen unversöhnbar waren. Der freie Fluß der frühen Reformationsjahre hatte sich in formalen Positionen verfestigt

 

Bild: Historischer Kupferstich, "Vorlesung des Bekenntnisses am Reichstag, 1530"

Plurale Wahrheit

Ambiguitäten, Widersprüche und plurale Wahrheiten bestimmen unsere heutige Lebenswelt. Auch wenn wir keinen dekonstruktivistischen Postmodernismus verkünden, so stellen wir jedoch fest, dass es bei Überzeugungen oft nicht um absolute Wahrheitsaussagen geht, sondern um eigene Wahrnehmung und um Konstruktion von Wahrheit.

Damit haben es Menschen innerhalb der Kirchen besonders schwer, weil in den Jahrhunderten jeweils  e i n e  Form der Wahrheit, e i n Bekenntnis  bindend war. Zuwiderlaufendes wurde bekämpft und lächerlich gemacht, dann ignoriert. 

Besonders im stark zunehmenden interkulturellen Dialog, wo es nicht nurmehr um theoretische Diskussionen geht, sondern um gelebte Wahrheiten und Werte, ist ein Nachdenken über die plurale Wahrheit angebracht. Wie kann ich eine gesunde Lebenseinstellung bewahren, ohne durch die Wiedersprüche in Nihilismus oder Fundamentalismus zu verfallen?

 

Bild: Symbolbild, Brand der Bistrizer evangelischen Stadtpfarrkiche, 2008

Programm

17:00 Uhr

Sankt-Anna-Kirche

Im Annahof 2, 86150 Augsburg

GOTTESDIENST

Predigt: Bischof Reinhart Guib (Hermannstadt)

Begrüßung: Dekanin Dr. Doris Speber-Hartmann

Liturgie: Pfr. Hans Schneider (Ansbach)

Grußwort: Staatssekretär Johannes Hintersberger (München) 

18:30

Campus der Universität Augsburg (Treffpunkt Cafete der Evangelischen Studierenden-gemeinde) 

Salomon-Idler-Str.14, 86159 Augsburg /Straßenbahnhaltestelle Linie 3, Haltestelle; Universität

PFLANZUNG

Wort NN

19:00 

ESG-Räume der Universität Augsburg

Salomon-Idler-Str.14, 86159 Augsburg

Vortrag: Prof. Dr. Ulrich Andreas Wien "Das Augsburger Bekenntnis und die Siebenbürger Sachsen"

19:45 Empfang (in der CAFETE der ESG)

Die Aktion wird von dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Augsburg sowie der Evangelischen Studierendengemeinde mitgetragen und von der Kreisgruppe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen mitgestaltet.

Die Stationen des Jahres 2017 werden von dem Freistaat Bayern, durch das Haus des Deutschen Ostens, München, gefördert.