Medien und die Reformation

Basel, 7. April 2018

Hin zu "Rudimenta Cosmographica", 1542

Der Siebenbürgische Reformator Johannes Honterus hielt sich zwischen 1530 und 1533 inn Basel auf. Hier wirkte einerseits Johannes Oekolampad als Reformator aber auch der Humanist Erasmus von Rotterdam. Honterus, der aus Krakau hierher kam, erwarb nun in Basel seinen Ruhm als Buchdrucker. Er veröffentlichte hier im Jahre 1532 die erste Landkarte Siebenbürgens und zwei Sternkarten, diese nach Albrecht Dürers Vorbild (1515). Die Honterus Sternenkarte wurde 1559 in Paris und 1585 bis 1611 in Krakau mehrmals nachgedruckt.

 

Seine Meisterleistung bleibt aber die Siebenbürgenkarte "Chorographia Transylvaniae - Sybembürgen". Es ist die erste Detailkarte dieses Landstriches überhaupt. Obwohl Honterus selbst mit der Karte nicht zufrieden war (er zog später alle ihm verfügbare Exemplare ein), präge sie die Kartographie für mehrere Jahrhunderte. 1546 hat Honterus sie überarbeitet - nun in Kronstadt  erneut herausgegeben. 1540/41 brachte er in seiner Druckerei dann ein Lehrbuch der Geographie heraus, welches sowohl seine Weltkarte als auch Sternenkarten enthielt. Seinen Höhepunkt als Drucker erreichte er mit dem "Atlas minor", welcher der Endfassung seiner Weltbeschreibung "Rudimenta Cosmographica" (1542) beigefügt ist. Die Karten des Atlas sollten in der Folgezeit in zahlreichen Ausgaben nachgedruckt werden. Sie sind ein prägendes Medium jener Zeit. 

 

Bild: Aus der Kosmograhie des Honterus

Die Macht der Medien

Die Medien werden immer wieder als "vierte Macht" im Staat - neben Exekutive, Legislative und Judikative - bezeichnet. Das zeigt, welchen Einfluss man ihnen in der Gesellschaft zuschreibt oder andenkt. Sie sollen dazu beitragen, dass Informationen - auch kritische Informationen - verbreitet werden, und damit ein Gleichgewicht herstellen. 

 

Dieser Anspruch, der grundsätzlich davon ausgeht, dass die Medien die Wahrheit unter das Volk bringen, ist aber ein normativer und kein pragmatischer. Denn das Machtinstrument "Mass Medien" steht auch unterschiedlichen Kräften zur Verfügung, die damit eigene Ziele verwirklichen wollen, sei es in politischer, ökonomischer oder ideologischer Hinsicht. Somit ist es eine Aufgabe der Bildung, den versteckten Trennstrich zwischen reiner Informationsvermittlung und Verbreitung einer bestimmten Weltsicht zu erkennen.  Man muss gar keine Begriffe wie "Manipulation" verwenden, denn auch ohne den Gedanken von bewußter Lenkung und Desinformation können Medien Leben beeinflussen und gar zerstören. 

 

In dem letzten Jahrzehnt kam zu den klassischen Massmedien auch die Vielzahl der sozialen Medien hinzu. Diese lösen nun die Grenze zwischen persönlicher Kommunikation und Nachrichtenvermittlung auf massiver Weise auf. Jedes Individuum hat - vorausgesetzt einiges Geschick - die Möglichkeit Massen zu erreichen und tut das auch durch sogenannte "virale postings".  Die Transformation der Medien aber, von öffentlichen Institutionen zu persönlichen Vehikeln, macht die Situation des Empfängers nicht einfacher. Der Begriff "Medienkompetenz" wird immer wichtiger.

Wer prägt heute unser Denken und beeinflußt unsere Entscheidungen?

 

Bild: Symbolbild digitale Medien

Programm

10:00 Museum. Buchdruckerei im MA mit Infos zum Reformator Johannes Honterus

11:30 Mittag

12:30 Besichtigung Basel

14:30 Aktion: Apfelbäumchen pflanzen mit kurzer Andacht

15:00 Kaffee

16:00 Vortrag Prof.Dr. Gerhäuser zum Thema "Medien" 

Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Militärpfarramt Bogen, dem Verein der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz und der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen (HIKO) organisiert.