Reformation und Identiät

Dinkelsbühl, 19. Mai 2018

Dinkelsbühl seit 1951

Identität will bestätigt werden und ist nie statisch. Die nach dem Krieg sich in Deutschland und Österreich  befindenden Siebenbürger Sachsen - rund 50.000 - waren aus ihren Lebenszusammen-hängen herausgerissen und suchten nicht nur nach Lebensmöglichkeiten sondern auch nach Stärkung ihrer angefochtenen Identität. Fast nie waren sie "nur" Individuen gewesen, sondern immer hattte die örtliche Nachbarschaft ihre regelnde und schützende Hand über ihnen gehalten. Nun galt es sich in einer neuen Umgebung und einer neuen Werteordnung zurecht zu finden. Da war wieder die Kirche diejenige Institution, die den besten Halt vermittelte und eine Wertekontinuität anbot. 1947 wurde das "Hilfskomittee der Siebenbürger Sachsen und evangelischer Banater Schwaben" gegründet und es begann eine Sammlung und Strukturierung. Bald darauf war es der Verband (damals: Landsmannschaft) der Siebenbürger Sachsen.  Eine Identitätsort wurde dann ab 1951 Dinkelsbühl, mit seiner Schäßburger Atmosphäre, wo ab dann jährlich zu Pfingsten der Heimattag gefeiert wurde. Höhepunkt waren am Anfang die wegweisenden Ansprachen, doch wandelte sich das, und der Trachtenumzug rückte in den Mittelpunkt. Die Trachten, die man  in Siebenbürgen ausgezogen hatte und bei der Aussiedlung daheim liess, um eine "Deutscher unter Deutschen" zu sein, wurden langsam zu einem genuinen Ausdruck der siebenbürgisch-sächsischen Identität. Denn an ihr ist die Eigenständigkeit der Gemeinschaft mehr als augenscheinlich. Natürlich reichen Trachten und Tänze nicht aus, um eine Gruppe zusammen zu halten aber es war ein wirkungsvoller Ansatz. So entwickelte sich dadurch in Dinkelsbühl genau das, was tatsächlich heute das Wesen der Identität ausmacht: Der starke Zusammenhalt der Gemeinschaft. Die Ursache wurde damit zur Wirkung.

 

Bild: Trachtenumzug am Heimattag, Siebenbürger.de

 

 

Identität

Die Identität einer Gruppe definiert sich immer am "significant other" - dem bedeutsamen Gegenüber. In Siebenbürgen sind es für die Gruppe der Siebenbürger Sachsen die  Ungaren, die Rumänen und die Roma. Wenn man dem wissenschaftlichen Diskurs folgt, dann hat jede Identität primäre und sekundäre Merkmale, wobei die primären - und damit angeborenen - die ausschlaggebenden sind. Es sind: Rasse, Sprache und Religion. Damit haben die Siebenbürger Sachsen mindestens seit der Reformation gute Voraussetzungen gehabt, sich als selbstständige Gruppe zu verstehen. Die sächsische Sprache und die evangelische Religion hat sie deutliche von den anderen Gruppen abgehoben. So sind diese beiden - wobei das Sächsische zum Teil durch das Deutsche ersetzt wurde - zu Eckpfeilern der Identität geworden. Die Volkskirche, von Georg Daniel Teutsch organisiert, war der Lebenskörper der Gemeinschaft. 

Durch die Aussiedlung des 20. Jahrhunderts ist die Identität der nun mehrheitlich in Deutschland Lebenden angefochten worden. Denn weder Sprache noch Religion unterschied sie noch von dem Umfeld. Ein neuer Weg mußte und muß eingeschlagen werden um seine kollektive Identität zu bewahren. Da sind nun die volatileren, sekundären Merkmale gefragt. In etlichen Konzeptpapieren wurde dieser Frage nachgegagen: Was bringt es mir Siebenbürger Sachse zu sein? Eine abschließende Antwort gibt es nicht, lediglich den Hinweis, dass das andere Gemeinschaftsbewußtsein zu den sekundären Identitätsmerkmalen der Siebenbürger Sachsen unbedingt dazu gehört. So hat auch die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien dieses mit ihrem Leitsatz bestätigt: "In Glauben Leben in Gemeischaft gestalten".

 

Bild: Evangelische Kirche Weidenbach. Foto: Christian Draghici

Programm

Samstag, 28.04.2018

Stadt Dinkelsbühl  (Grünfläche)

91550 Dinkelsbühl

10:30 Uhr

Einführung: Pfr. Dr. Stefan Cosoroaba (Evangelische Kirche A.B. in Rumänien)

Wort zur Identität: Vorsitzende Herta Daniel (Verband der Siebenbürger Sachsen

Lesung: N.N. (Ev. Kirche Dinkelsbühl)

Segen: Vorsitzender Prof. Dr. Berthold Köber (Gemeinschaft ev. Siebenbürger Sachsen) 

 

 

 

 

Die Veranstaltung wird zusammen mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland  -  im Rahmen des Heimattages - organisiert