Freiheit und Religion

Klausenburg, 8.-10. Dezember 2017

Franz Davidis und Caspar Helth

Nach seinem Studium in Wittenberg wurde Franz Davidis, Sohn eines sächsischen Schusters und einer ungarischen Mutter,  lutherischer Pfarrer in seiner Heimatstadt Klausenburg und 1556 auch Superintendent der vorwiegend ungarischen lutherischen Superintendentur in Siebenbürgen. Er wendete sich kurz danach jedoch dem Calvinismus zu und ab 1566 dem antitrinitarischen Verständis, welches Fürst Johann Szapolyai´s Leibarzt, Giorgio Blandrata aus Genf nach Siebenbürgen gebracht hatte. 1568 gründete Davidis schließlich die Unitarische Kirche in Siebenbürgen, die er bei dem Landtag zu Thorenburg erfolgreich vertreten und zur Anerkennung führen wird. In den Auseinandersetzungen um diese Kirche wurde er aber als "Gotteslästerer" verurteilt und starb kurz darauf (1579) als Häftling auf der Festung Deva.

 

Ihm von der Geschichte zur Seite gestellt wird sein Amtsvorgänger Caspar Helth, der ebenfalls aus Wittenberg kommend, 1544 die lutherische Reformation in Klausenburg eingeführt hatte. 1556 machte er allerdings im Stadtpfarramt Klausenburg Platz für Franz Davidis, da er in unversönlichen Streit mit dem Stadtrat geriet. Danach zieht er sich auf die Tätigkeit als Humanist und Buchdrucker zurück. Er war derjenige, der die ungarische Schriftsprache festigte, da die erste Teilübersetzung der Bibel von ihm stammt. 1570 folgte er Davidis im antitrinitarischen Bekenntnis. Er stirbt bald darauf (1574), während der Arbeit an seiner ungarischen Chronik .

 

Klausenburg ist somit in der Reformationszeit ein Beispiel für geistliche Interferrenzen und Entwicklung. 

Bild; "Franz Davidis auf dem Landtag zu Thorenburg 1568", Körösföi - Kriesch Aladar

Von der Freiheit

Die Frage nach der Freiheit des Individuums ist seit dem Fall der Berliner Mauer in Europa eigentlich kein Thema mehr. Sie stellt sich eher auf globaler Ebene, wenn von der Missachtung der Menschenrechte in China, den Industriearbeitern in Bangladesch oder der Versklavung von Menschen durch radikal-militante Gruppierungen in Afrika gesprochen wird. In Europa kommt das Thema randläufig vor, wenn etwa über Zwangsprostitution von Frauen aus Osteuropa gesprochen wird.

 

Aber es gibt auch eine tiefere Ebene des Diskurses, welche Freiheit und Verlust von Freiheit nicht nur aus physischer Perspektive sieht: Wie weit sind wir in unlösbare Abhängigkeit von digitaler Kommunikation geraten? Kann man sich eine Welt ohne Whatsapp und Googletranslate überhaupt noch vorstellen? Was für andere Abhängigkeiten gibt es und wie wirken sich diese auf die Gestaltung des Alltages und auf die Entwicklung einer Gesellschaft aus? Leben wir nicht doch in einer Zeit, in der das Individuum von Konzernen und Banken ferngesteuert wird und die Selbstbestimmung eine Ilussion ist? Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit oder Religionsfreiheit sind vordergründig zu allgemein akzeptieren Werten geworden. Doch die Autonomie des Subjektes ist damit noch lange nicht gewährleistet.

 

Das Werden der Unitarischen Kirche in Siebenbürgen ist eine historische Lektion über den Umgang mit Normen und somit über die Bewahrung der Freiheit des Denkens.

 

Bild: Symbolbild "Freiheit" Mit freundlicher Genehmigung von www.maiauge.de 

 

 

 

 

 

"Baum des Lebens"

 

 

Im Rahmen der Abschlußveranstaltung für das Reformationsjubiläum der Evangelisch-Lutheri-schen Kirche ungarischer Sprache in Klausen-burg, hat auch die Evangelische Kirche A.B. ihr 11. Bäumchen pflanzen können. 

 

Sie tat es im Angesicht der rumänischen und ungarischen Öffentlichkeit der Stadt. Diese hatte durch die Presse zur Veranstaltung geladen. Allerdings hat sie die "12 Apfelbäumchen für ein klares Wort" kontextualisiert und in rumänischer Sprache als "Copacul vieții și evidența cuvântului” beworben. Das ist in deutscher Übersetzung nichts weniger als "Der Lebensbaum und die Deutlichkeit des Wortes"! So entwickelt sich das Batull-Apfelbäumchen in den Schlußrunden des Projektes zum Lebensbaum und bekommt eine neue Qualität, die an Lucian Blaga erinnert ...

 

Vor rund hundert Menschen pflanzte (trotz Dezember) Bischof Reinhart Guib das aus Hermannstadt mitgebrachte Apfelbäumchen im Hof der lutherischen Kirche. Bischof Dezsö Adorjani sprach dazu ein klares Wort.  Danach war man Gast der Babes-Bolyai- Universität, wo im Kondrad-Adenauer-Saal der stellvertretende Rektor Rudolf Gräf zu einem Rundtischgespräch geladen hatte. Die fünf Dekane der theologischen Fakultäten der Universität kamen zu dem Thema "Religion und Freiheit" zu Wort. Damit sollte an den Klausenburger Reformator Franz Davidis angeknüpft werden. Nach der Begrüßung von Herrn Gräf übernahm die Historikerin Edith Szegedi das Moderations-Szepter und entlockte Prof. Dr. Konrad Gündisch (München, Kulturrat der Siebenbürger Sachsen), Prof. Dr. Vasile Stanciu (Dekan der orthodoxen theologischen Fakultät), Prof. Dr. Cristian Barta (Dekan der griechisch-katholischen theologi-schen Fakultät), Dr. Olga Lukacs (Dekanin der reformierten theologischen Fakultät), Dr. Ioan Vik (Dekan der römisch-katholischen Fakultät), tiefsinnige Gedanken zum Thema. Bischof Reinhart Guib setzte dazu den Rahmen. Anschließend konnten alle noch mit einander ins Gespräch kommen.

 

Am Sonntag schloß die Veranstaltung dann mit dem Gottesdienst in der lutherischen Kirche, in der Bischof Gerhard Ulrich (Nordkirche) die Predigt hielt.

 

Damit ist nun die evangelisch-lutherische Kirche "Patin" und Wächterin des 11. Apfelbäumchens geworden. Es besteht die Hoffnung, dass der gemeinsame Kirchentag in Kronstadt nur ein Anfang war, und das lutherische Erbe weiterhin gemeinsam verwaltet wird.

Die Gesamtaktion wird von der Evangelisch-Lutherischen Kirche organisiert. Die Universität Babes-Balyai (Institut für Deutsche Studien), dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat e.V. verantworten den Sonderteil zu den 12 Apfelbäumchen

Foto: Konrad Gündisch