Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien

Kronstadt, 29. September - 1. Oktober 2017

Siebenbürgische Reformation

Selbst wenn die ersten Zeichen der Reformation in Hermannstadt zu finden sind (1523), so verlagert sich in der Folgezeit  - besonders nach der Rückkehr des Johannes Honterus nach Siebenbürgen (1533) - der Schwerpunkt nach Kronstadt, wo die Bewegung eine breite Unterstützung findet und der damalige Stadtpfarrer Jeremias Jekel bereits erste Schritte unternommen hatte. Der Chronist Hieronymus Ostermayer hält danach für das Jahr 1542 fest: "Eodem anno. Hat man im Monat Octobris angefangen evangelische Mess zu halten in Croner Kirche und die papistische weggeschafft, Gott und seinem Heiiigen Namen zu Ehren. Amen - Item hat Herr Joannes Fuchs durch den hocherleuchten und recht gelehrten Mann Magistrum Joannem Honterum die Reformation der Kirchen aufgericht in Burzenland und im Druck lassen ausgehen."

 

Das von Honterus für Kronstadt und das ganze Burzenland daraufhin herausgegebene Reformationsbüchlein (1543)  gibt nun Auskunft über das Was und Wie der kirchlichen Umgestaltung. Eine Visitation, geleitet von Honterus, führte zudem die Reformation im ganzen Burzenland flächendeckend ein. Ob die Schrift jedoch im wittenberger, schweizer oder aber humanistischen Geist verfasst wurde, ist nicht eindeutig zu klären. Mit dem Reformationsbüchlein brachte der Reformator einen goßen Stein ins Rollen, der nicht nur regional sondern auch umfassend wirksam war. Denn das Büchlein wurde auch außerhalb des Burzenlandes gelesen und tätigte seine Wirkung. So wurde das Kronstädter Reformationsbüchlein die Grundlage für die umfassende und vermittelnde Schrift "Reformatio Ecclesiarum Saxonicarum in Transylvania" (1547), die auf Anregung der Nationsuniversität ebenfalls bei Honterus herausgegeben wurde. Diese sollte aber alle Gemeinden der sächsichen Superintendentur auf einen Nenner bringen. Die Reformation trat in ihre Konsolidierungsphase ein.

 

Vergessen wir aber nicht, dass all diese Entwicklungen unter labilen politischen Umständen, drohender Kriegsgefahr und mit katholischem Gegendruck geschah. 

 

Bild: Standbild des Johannes Honerus neben der Schwarzen Kirche Kronstadt

Identität und Entwicklung

Zu allen Zeiten gab es Umbrüche in der Identität unserer Altvorderen. Das gilt für die Zeit der Reformation und es gilt auch für das jüngst vergangene 20. Jahrhundert. Es ist lediglich eine Frage der Perspektive, dass uns Umbrüche der frühen Vergangenheit als Kontinuität erscheinen, während Umbrüche der Gegenwart als Abbrüche wahrgenommen werden.  Wir sollten uns aber der großen Herausforderung stellen, auch heute im existentiell erlebten Wandel nicht nur Verlust zu sehen, sondern auch Kontinuität und Bewahrung von Identität. Hat das evangelische Kirchenmitglied, welches 1550  Teil einer festgefügten Burzenländer Gemeinde war - selbstverständlich sächsisch sprach und dessen Leben sich in der Nachbarschaft vollzog, - etwas gemeinsam mit dem evangelischen Siebenbürger a.D. 2017, der in einer rumänisch dominieten Optionsgesellschaft individualisiert lebt, sich digital verbindet und Deutsch bestenfalls als zweite Sprache spricht? 

 

Ist evangelisches Leben im heutigen Rumänien etwas gleichermassen Exotisches wie auch Überflüssiges, oder hat es einen konstitutiven Platz in der geistlichen Landschaft?

 

Es sind Fragen, auf die der Kirchentag in Kronstadt Antwort suchen will.  Die evangelischen Christen von 1550 wie auch diejenigen von 2017 sind - als Kinder ihrer Zeit - "Evangelisch mit Herzen, Mund und Händen."

 

Abbildung: Das Logo des Kirchentages 2017  in  Kronstadt

Programm

Abend der Begegnung (29.09)

Ev.Lutherische Kirche Kronstadt

19:00 Eröffnung

20:00 Abend der Begegnung

21:30 Abendandacht

 

Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien (30.09)

Scharze Kirche, Honterusschule und Hof

09:00 Bibelarbeiten (Rm. 1,16f)

10:30 Gottesdienst  "Die vier Zeiten"

12:00 Mittagessen

14:00 Workshops

W7 "APFELBÄUMCHEN"

Obervorstädter Kirche, 500107 Brasov, str. Baiulescu Nr.2

Vortrag: Ulrich A. Wien" Import-Export. Einflüsse und Wirkungen der Reformation"

Pflanzung

am Kirchenhof der Obervorstädter Kirche

Wort zur Pflanzung: Enno Haaks (Gustav Adolf Werk) und Michael Hübner (Martin Luther Bund) 

Aula der Honterusschule, 500025 Brasov, Curtea Johannes Honterus nr. 3

16:30 Podium "Evangelisch mit Herzen, Mund und Händen"

Moderation: Stefan Cosoroaba

Teilnehmer: Präses i.R. Nikolaus Schneider, Prof. Dr. Stefan Tobler, Dipl. Farm. Diana Muresan. Stadtrat Geczi Gellert

Musik: Petra Acker

 

19:30 "Messe von Kronstadt"

 

°Gehet hin in alle Welt!° (01.10)

Burzenland

09:45 Glockenläuten in allen Kirchen

10:00 Gottesdienst mit Gästen in 15 evangelischen und 4 lutherischen Kirchen

11:00 lokale Feiern

Bartholomaer Kirche und Kirchhof

15:00 Gästeprogramm

Die Aktion "Apfelbäumchen" am Samstag, wird von der Honterusgemeinde Kronstadt mitgestaltet.

Die Stationen des Jahres 2017 werden von dem Freistaat Bayern, durch das Haus des Deutschen Ostens, München, gefördert.