Reformation als europäisches Bildungsereignis

Marburg, 8. Juni 2017

Marburg und Siebenbürgen

König Andreas II. von Ungarn (1205 - 1235) - Förderer der Siebenbürger Sachen -  war mit der bayerischen Prinzessin, Gertrud von Andechs verheiratet, Aus dieser Ehe stammte die spätere "heilige" Elisabeth von Thüringen, die 1211 ebenhin verheiratet wurde. Um die gleiche Zeit kam der deutsche Ritterorden unter dem (ebenfalls thüringischen) Hochmeister Hermann von Salza nach Siebenbürgen in das Burzenland, um dieses gegen die Kumanen zu verteidigen. Ein Zusammenhang wird hier zu suchen sein. In der Folgezeit baute der Ritterorden seine Macht aus und strebte ein eigenes Staatengebilde an, mit der Hauptburg in Marienburg am Alt. Anstatt nur Holzburgen zu bauen, baute er - entgegen der Selbstverpflichtung - mit Stein. Dieses sollte letztendlich der Grund für seine Vertreibung 1225, durch den König Andreas sein. Ihm war das Streben nach einem eigenen Staat der Ritter nicht genehm. Der Orden hinterlies Kirchen und Burgen und zog an die Ostsee weiter. 

In der gleichen Zeit kommt Elisabeth von Thüringen nach Marburg (1228) und errichtet hier ein karitatives Hospital. Nach ihrem Tod, 1235, wurde dieses von dem deutschen Ritterorden weitergeführt, der hier ein Ordenshaus hatte. Der Orden  errichten auch die Elisabethkirche, deren Grundsteinlegung in das gleiche Jahr fällt. Es ist somit kein Zufall, dass der Grundriss der Tartlauer Kirche im Burzenland und jener der ursprünglichen Elisabethkirche gleich waren. Die Baumeister waren die gleichen.

 

Somit zeigt uns diese historische Verflechtung um Elisabeth und den deutschen Ritterorden, wie eng verbunden die Ereignisse an so entfernten Orten des damaligen Europas waren. Marburg und Marienburg bilden zusammen eine nichtvermutete mittelalterliche Klammer. 


Bild: historische Fotografie: Marienburg im Burzenland

Reformation als europäisches Bildungsereignis

Die Reformation war nicht nur ein theologisches, sondern ein bedeutendes gesamtgesell-schaftliches Ereignis, das insbesondere auch das Bildungswesen betraf. Dies beleuchtet die Philipps-Universität Marburg in einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des Reformationsjubiläum. Die Philipps-Universität selbst ist dabei nur das offensichtlichste Beispiel für bildungsrelevante Entwicklungen, die mit der Reformation in Zusammenhang stehen. 

Gemeinsam mit dem Hessischen Landtag, dem Hessischen Kultusministerium und der Stadt Marburg, sowie den Evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck und von Rumänien wird die Reformation in europäischer Perspektive betrachtet. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und bringt eine Reihe hochrangiger Persönlichkeiten aus Kirchen, Politik und Wissenschaft in das Landgrafschloss nach Marburg, darunter den Präsidenten des Hessischen Landtags, den Botschafter von Rumänien in Deutschland und die Bischöfe der Evangelischen Kirche A.B.  in Rumänien und von Kurhessen-Waldeck

 

Bild: Logo der Universität Marburg

 

Die 8 Köche, die den Brei nicht verdorben haben ...

Gemeinhin spricht man davon, dass "viele Köche den Brei  verderben". In Marburg sollte es nicht der Fall sein, obwohl recht viele "Köche" die Veranstaltung in dem Landgrafenschloss betreuten: Die Hessische Staatskanzlei und das Kultusministerium, das Büro des Hessischen Landtagspräsidenten, die rumänische Botschaft Berlin, die Stadt Marburg, die Philipps-Universität, die evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck und nicht zuletzt die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien.

 

Sie alle hatten die Veranstaltung und damit sich untereinander zu koordinieren. Der Tag enthielt dann drei Elemente, die aufeinander abgestimmt waren: Zuerst war es die Ausstellung "Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen. Ein europäisches Kulturerbe", die in der Universitätsbibliothek gezeigt wurde. Sie wurde vormittags, als letzte Ausstellung dieses Gebäudes - auf Initiative der rumänischen Botschaft - gezeigt. Dazu sprachen dann auch der rumänische Botschafter Emil Hurezeanu und Architektin Annemarie Rothe (Förderverein Stiftung Kirchenburgen) sowie Prof. Dr. Werner Schaal, der geistige Vater der universitären Partnerschaft zwischen Marburg und Hermannstadt. Auch die Bibliotheken der beiden Städte sind in diese Partnerschaft eingebunden.

 

Am Nachmittag wurden dann im Landgrafenschloss "Reformation als europäisches Bildungsereignis" (samt Ausstellung) mit "12 Apfelbäumchen für ein klares Wort" verwoben. In fürstlicher Athmosphäre war man pünktlich zu Gange.  Die Präsidentin der Philipps-Universität, Prof. Dr. Katharina Krause begrüßte und danach folgte ein Reigen von Grußworten. Es sprach der Präsident des Hessischen Landtags, Dr. Norbert Kartmann, der Kultusminister Pr. Dr. Alexander Lorz, der Botschafter Rumäniens S.E. Emil Hurezeanu, Bischof Reinhart Guib aus Hermannstadt und Bischof   Prof. Dr. Martin Hein aus Kassel. Das Grußwort des Oberbürgermeisters Dr. Thomas Spieß wurde verlesen.

 

Anschließend ging es zum eigentlichen Inhaltlichen. Zu dem Apfelbäumchen-Projekt passend sprach Prof. Dr. Andreas Müller aus Kiel zu "Religion im multikulturellen Kontext - Reformation in Siebenbürgen" und zu "Bildungsereignis Reformation", sprachen Prof Dr. Wolf-Friedrich Schäufele und Dr. Christoph Otterbeck, beide aus Marburg. In dem Schloßgarten begann dann die Pflanzung des fünften Apfelbäumchens, welches von vielen helfenden Händen schnell und gut eine neue Heimstatt fand. Dazu sprach Dr.Stefan Cosoroaba über die Beziehungen zwischen Marburg und Siebenbürgen. Zurück im Fürstensaal berichtete nun Bischof Reinhart Guib über die Situation der Kirchenburgenlandschaft und lud alle herzlich ein, Siebenbürgen zu besuchen.  Bei einem großzügigen Buffet konnte danach der Bildung, der Kirchenburgen, der Beziehungen, und noch mehr gedacht werden. 

 

Zukünftige Stipendiaten aus Rumänien haben bei ihrem Aufenthalt in Marburg nun immer einen Anhaltspunkt, der sie mit zu Hause verbindet. 

 

 

Die Aktion wird vom Hessischen Landtag, dem Hessischen Kultusministerium, der Stadt Marburg sowie der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mitgetragen

Die Stationen des Jahres 2017 werden von dem Freistaat Bayern, durch das "haus des Deutschen Ostens", München gefördert.

Bild: Der Moment des Pflanzung.

Foto: Philipps-Universität Marburg / Markus Farnung