Bildung

Wien, 3. Oktober 2017

Honterus und die Bildung

Die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis blickte zu der Studienzeit Johannes Honterus schon auf eine über hundertjährige Tradition zurück. Gegründet 1365, war sie nach der Karls-Universität in Prag die zweite des deutschen Sprachraums. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts erfreute sie sich - neben Krakau - einer großen Beliebtheit unter den siebenbürgischen Studenten. Von 1377 bis 1530 immatrikulierten über 1.000 Siebenbürger Sachsen in Wien. Danach wurde der Zufluß unterbrochen, wohl aus politischen und konfessionellen Ursachen. Bedeutsam war, dass 1529 die Belagerung von Wien durch die Osmanen erfolge. Die Zahl der Studierenden ging deswegen im Ganzen drastisch zurück, nicht nur die der Siebenbürger.

 

Am 27. April 1515 wird ein "Johannes Coriarii ex Corona" als Hörer der Artistenfakultät immatrikuliert. Die Forschung sieht dahinter Johannes Honterus. Er studiert zusammen mit zwölf anderen Kronstädtern, ein Zeichen, dass im damaligen Siebenbürgen die Schule so weit entwickelt war, dass sie zur Universität hinführte. Honterus selber hat seine erste Schulbildung bei den Dominikanern erhalten.  Ein Schulsystem ist bei den Siebenbürger Sachsen bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. zurück zu verfolgen.

 

Honterus Bildungsweg sollte dann erst ab 1530 wieder klar sichtbar werden, als er - fünfzehn Jahre nach seiner Einschreibung in Wien - unter den immatrikuierten Studenten in Krakau erscheint. Ob er sich auch unter dem verzeichneten Namen "Johannes Holer" verbirgt, der 1525 in Wien den Magister erhalten hat, ist eine offene Frage der Forschung.

 

Honterus blieb aber sein ganzes Leben lang mit der Schule und mit Bildungsfragen verbunden. Seine Schulordnungen von 1543 und von 1547 legten später den Grund zur Erneuerung des mittleren Schulwesens in Siebenbürgen.   

 

Bild: Historische Darstellung von Wien

Bildung

Dass Bildung notwendig sei, ist ein Gemeinplatz. Allen Verantwortlichen ist es klar, dass eine Intition in Bildung eine Investition in Zukunft ist. Doch gibt es- jenseits mancher reguliernden Finanzknappheit - auch grundsätzliche Auseinandersetzungen, die den Gemeinplatz dann doch diskussionswert machen: Welches sind letztendlich die adäquaten Bildungsinhalte?Sind es humanistische Inhalte, die junge Menschen in die großen Vollzüge der geistigen Tradition einführen wollen? Sind es eher technische Fähigkeiten, die - als AUS-Bildungsinhalte - für einen guten Arbeitsplatz fitt machen? Sollten Werte auch in der Schule vermittelt werden, oder ist das Aufgabe der Familie? Ist Werteorientierung nicht letztendlich eine Form von Manipulation, der die jungen zu Erziehenden schutzlos ausgelierfert werden? Und welches ist der Zusammenhang zwischen Bildung und Wissen? In einer Zeit, in der jede Information einfach im Netz abrufbar ist, braucht es einen anderen Umgang mit Wissen und einen anderen Schwerpunkt von Bildung.

 

Ein Blick zu den interkulturellen Aspekten ist heute kein flüchtiger Seitenblick mehr, denn die Vermittlung von Werten - sollte sie denn Ziel von Bildung sein - zeigt immer häufiger auf, wie wichtig der kulturelle Rahmen von Erziehung, Sozialisation und Bildung ist.

 

Die Wechselbeziehung zwischen Welt und Individuum, die Wolfgang Klafki als Ausgangspunt seiner Bildungsüberlegungen nimmt, ist in der Gegenwart deutlich in Bewegung. 

 

 Bild: ehemalige evangelische Schule in Mühlbach, mit dem Motto "Bildung ist Freiheit"

Ein Fest der Freunde

Als Bischof Dr. Michael Bünker (Wien) um 17:00 Uhr im Evangelischen Zentrum die Awesenden begrüßte, da reichte ein Blick um festzustellen: es war ein Fest der Freunde. Wiener Siebenbürger in Tracht ergänzten das Bild. Im Andachtsraum stimmte Bischof Reinhart Guib (Hermannstadt) die rund dreissig Anwesenden geistlich mit einer Andacht auf die folgende symbolische Handlung ein. Stefan Cosoroaba tat dasselbe, mit Blick auf den Gesamtzusammenhang der 12 Apfelbäum-chen. 

Danach ging es in den Vorgarten des Hauses, wo der vorhergehende Regen die besten Voraussetzungen für das Anwachsen des Bäumchens geschaffen hatte. Es sprachen zu der Pflanzung die beiden Vertreter der Siebenbürger Sachsen, Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbandes aus Deutschland und Manfred Schuller, Bundesobmann aus Österreich. "Was wäre gewesen", fragte Manfred Schuller rethorisch, "wenn Honterus nicht aus Wien zurückgekehrt wäre?" Zurück im Haus  grüßte der rumänische Botschafter in Wien, Bogdan Mazuru. Er bekannte, dass er auch als orthodoxer Gläubiger die Reformation als Wendepunkt der Geschichte schätze. Fundiert und spritzig sprach danach Minsterialdirektor Prof. Dr. Karl Schwarz (Wien) zu Honterus in Wien und Bischof Michael Bünker schloss mit einem Rundumblick über die Herausforderungen der Bildung heute.

 

Der Abend klang mit einem Empfang aus, wo sich die Freunde Siebenbürgens bei einem gepflegten Rotwein noch lange unterhielten. Als Vorgeschmack der Ernte verteilte Pfarrer Wilhelm Meiterth (Grosspold) Batull-Äpfel aus seinem eigenen Garten. 

 

Die Aktion wird von der Evangelischen Kirche AB und HB mitgetragen sowie von dem Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich mitgestaltet.

Die Stationen des Jahres 2017 werden von dem Freistaat Bayern, durch das Haus des Deutschen Ostens, München, gefördert.

Bild: Bischof Guib und Bischof Bünker pflanzen das Apfelbäumchen. Foto: Epd/Dasek